ÖHUB
ÖHUB – Bitte einmal aufladen! Jederzeit, ohne Grenzen!

Zum Startschuss der größten E-Roaming-Plattform für Elektromobilität in Österreich haben wir uns den Vorstandsvorsitzenden des Bundesverband Elektromobilität Österreichs (BEÖ) geschnappt und zum Interview gebeten. Jürgen Halasz ist seit 2014 Vorsitzender des Vorstands des BEÖ und gleichzeitig bei Wien Energie in der Funktion als Abteilungsleiter für Energieeffiziente Lösungen tätig. Wir haben ihm Fragen zum neuen Projekt gesellt und vor allem auch, wohin seiner Meinung nach die Reise der Elektromobilität in Zukunft gehen muss.

Wien Energie: 2015 wurden knapp 31 Prozent mehr Elektrofahrzeuge zugelassen als noch im Vorjahr. Das ist eine sehr gute Entwicklung. Trotzdem gibt es Hürden, die es noch zu überwinden gilt. Wo liegen diese deiner Meinung nach?

Die meisten Hürden befinden sich im Kopf – wie es meiner Meinung nach auch in anderen Bereichen oftmals der Fall ist. Klar sind die Preise der Elektroautos höher und wären direkte Förderungen wünschenswert, aber unter Betrachtung der Gesamtkosten auf die gesamte Nutzungsdauer der Autos sind die rein elektrisch getriebenen durchaus schon jetzt ebenbürtig. Dasselbe gilt für die e-Tankstellen, die wir österreichweit in hoher Anzahl vorhalten, sie sind aber speziell in Wien zu wenig sichtbar, da sie fast durchweg in Garagen versteckt angebracht sind. Und hier begrüße ich die aktuell verkündete Initiative der Stadt Wien, ab 2017 eine öffentliche Ladeinfrastruktur für eine flächendeckende Grundversorgung aufzubauen. Damit werden die Elektroautos wahrnehmbarer und es wird denselben Effekt geben wie beim Carsharing, das erst mit dem Herausrücken aus den Garagen auf die öffentlichen Parkplätze zu boomen begann.

(c)Wien Energie/C.Veit

(c)Wien Energie/K. Veit

Wien Energie: Wie schneidet Österreich generell beim Thema Elektromobilität derzeit im europäischen Vergleich ab?

Was die Anzahl an Ladestationen betrifft, spielen wir in Österreich im internationalen Vergleich durchaus vorne mit, das sogenannte Henne-Ei-Problem existiert unserer Meinung nach nicht mehr. Was nun noch fehlt sind die Nutzer, d.h. eine entsprechende Anzahl an Autos mit e-Antrieb. Und hier wiederum propagieren wir das Laden mit drei Phasen, was derzeit leider nur wenige Fahrzeughersteller nutzen, sehr zum Leidwesen der Elektroauto-Nutzer, die an unseren Ladestationen durchaus beschleunigt laden könnten, wenn es ihre Elektroautos unterstützen würden. Aber diesbezüglich sollte auch einiges in Bewegung sein, wenn man den Autoherstellern Glauben schenken darf.

Wien Energie: Was ist Ziel der neuen E-Roaming-Plattform “ÖHUB“? Was ist neu?

Ziel ist ein einfaches, anbieterübergreifendes Laden von E-Fahrzeugen an (halb)öffentlichen Ladestationen in ganz Österreich. In Kooperation mit der Firma Hubject soll nicht nur das Laden über Bundesländergrenzen hinaus ermöglicht werden, es soll gleichzeitig auch so einfach sein wie möglich – vergleichbar etwa mit Geldabheben am Bankomaten. In Zukunft reicht ein einziger Vertrag und ein Zugangsmedium wie eine Karte oder ein Smartphone, mit dem die Kunden ihr e-Auto an allen teilnehmenden Ladestationen auftanken können.

Wien Energie: Welche Rolle spielen die Mitgliedsunternehmen des BEÖ in diesem Zusammenhang?

Die elf Mitglieder sind allesamt Ladestationsbetreiber und werden ihre e-Tankstellen in dieses Netz einbringen.

Wien Energie: Worin liegt der Kundenvorteil?

Die Kunden werden wie bereits erwähnt nur mehr ein Vertragsverhältnis mit einem sogenannten e-Mobility-Provider oder kurz EMP haben müssen und trotzdem alle vernetzten Ladestationen verwenden können. Im Hintergrund werden zum einen im ÖHUB die technischen Schnittstellen geschaffen, dass endlich eine anbieterübergreifende Zusammenarbeit funktionieren kann. Und zum anderen werden  die EMPs Verträge mit den Ladestationsbetreiber abschließen, um so den flächendeckenden Zugang für ihre Kunden zu erhalten – ähnlich wie es die Mobilfunkbetreiber mit den ausländischen Partnern machen, um ihren Kunden ein Roamingnetz zur Verfügung zu stellen.

Wien Energie: Bis 2020 rechnen Optimisten mit bis zu 174.000 E-Fahrzeugen. Wo siehst du persönlich das Feld Elektromobilität in Österreich 2020?

Ich gehe davon aus, dass dieses zugegebener Maßen durchaus sehr ambitionierte Ziel zu erreichen ist. Mit der Sachbezugsbefreiung von Firmenautos gibt es einen ersten Ansatz in die richtige Richtung, immerhin sind 60% der neuzugelassenen Autos Firmenfahrzeuge. Und durch die Förderungsmaßnahmen in Deutschland, es werden bis 2020 immerhin bis zu zwei Milliarden Euro an direkten Förderungen für Elektroautos ausgegeben, wird die Nachfrage an Elektroautos steigern. Dies wird den Markt stimulieren und den Marktgesetzen gehorchend werden sich die Preise der Fahrzeuge reduzieren und somit wird dies auch einen positiven Effekt in Österreich bewirken.

Lieber Jürgen, vielen Dank für das Interview!

INFO

In Wien sind bereits seit Jahren U-Bahnen, S-Bahnen und Straßenbahnen elektrisch unterwegs. Wien Energie unterstützt diesen Trend mit einem umfangreichen Ausbauplan und natürlich auch das Vorhaben mit der Plattform ÖHUB. Ziel bis Ende 2016 sind mindestens 440 E-Ladepunkte, die ebenfalls in das anbieterübergreifende Netz eingebracht werden.