Tiergarten Schönbrunn
Tiergarten Schönbrunn – Energieeffizientes Tierparadies

Ein Besuch im Zoo ist immer wieder ein schönes und aufregendes Erlebnis. Da wir selbst gerne Gäste im Tiergarten Schönbrunn sind, haben wir uns das Tierparadies einmal aus einer anderen Perspektive angesehen – und zwar aus einer energieeffizienten. Warum wir das so spannend finden? Weil die artgerechte Haltung von Tieren zweifellos enorme Energiemengen verbraucht. Durch den Einsatz neuer Technologien und alternativer Konzepte, gestaltet der Tiergarten Schönbrunn seinen Energie- und Rohstoffeinsatz sehr sparsam. Genau zu diesen Themen haben wir Tiergartendirektorin Dagmar Schratter befragt.

Wien Energie: Wo nutzt der Tiergarten Schönbrunn bereits erneuerbare Energien?

Dagmar Schratter: Wenn die Elefanten duschen, sorgt z.B. eine Solaranlage am Dach des Elefantenparks für warmes Wasser. Auch im Polarium arbeiten wir mit Sonnenenergie, um antarktische Temperaturen für die Felsen- und Königspinguine zu erreichen. Die Bewohner des Südamerikaparks haben dank Sonnenenergie einen geheizten Fußboden und warmes Badewasser. In der Eisbärenwelt erzeugt eine 47 Quadratmeter große Photovoltaikanlage am Dach des Polardoms einen Teil des Stroms für die Wasseraufbereitung der Schwimm- und Tauchbecken. Die größte Photovoltaikanlage des Tiergartens (292 Quadratmeter!) befindet sich aber am Dach des Wirtschaftshofes. Sie versorgt den Zoobetrieb mit Strom. 2013 wurden wir für den Einsatz erneuerbarer Energien mit dem Österreichischen Solarpreis ausgezeichnet.

 

Energieeffizienz

(c)Daniel Zupanc

 

Wien Energie: Arbeitet ihr gerade an weiteren nachhaltigen Lösungen?

Dagmar Schratter: Ja, das tun wir. Bei unserem aktuellen Bauprojekt, dem neuen Giraffenpark, wird vom Keller bis zum Dach umweltschonend gearbeitet. Giraffen brauchen das ganze Jahr über einen Bereich zum Aufwärmen, in dem es mindestens 18 Grad Celsius haben muss. Wir werden die Wärme mit einer Photovoltaikanlage und einem Schotterspeicher umweltfreundlich erzeugen. Kernstück des neuen Giraffenparks wird ein Wintergarten sein, den wir an das denkmalgeschützte Gebäude anbauen. Im Glasdach des Wintergartens ist eine 237 Quadratmeter große Photovoltaikanlage integriert, die pro Jahr rund 18.000 kWh Strom erzeugen soll. Damit wird der gesamte Stromverbrauch der Anlage – von der Beleuchtung der Tierbereiche bis zu den Lüftungsanlagen – selbst produziert. Unter dem Wintergarten befindet sich ein 60 Kubikmeter großer Schotterspeicher. Etwa 120 Tonnen Schotter speichern hier die Hitze des Tages und wandeln sie in der Nacht in Wärme um.

Anfang 2017 dürfen die Giraffen voraussichtlich ihre neue Heimat beziehen. Der Tiergarten Schönbrunn und die Burghauptmannschaft Österreich, Bauherr der Anlage, wurden für den Giraffenpark mit dem Umweltpreis der Stadt Wien 2016 ausgezeichnet. Innovativ und umweltfreundlich war der Tiergarten übrigens schon immer. So wurde das Giraffenhaus bei seiner Eröffnung im Jahr 1828 noch auf ganz einfache Weise geheizt: Im Giraffenhaus waren Kühe untergebracht, die für natürliche Wärme sorgten.

 

Giraffenpark

(c) Tiergarten Schönbrunn/Peter Hartmann

 

Wien Energie: Bald wirds ja wieder richtig warm draußen. Was machen Ihre Zoo-Bewohner gegen die Hitze?

Dagmar Schratter: Die Tiere haben ganz einfache Hitze-Tricks, von denen wir uns einige abschauen können. Sie suchen schattige Plätze auf, kühlen sich immer wieder ab und bewegen sich weniger. Die Wasserschweine zum Beispiel tauchen im Sommer gerne bis zur Nasenspitze im kühlen Teich ab, die Elefanten genießen besonders an heißen Tagen ihre tägliche Dusche und unsere Seychellen Riesenschildkröten lassen sich gerne das kühle Wasser aus dem Rasensprinkler auf den Panzer rieseln.

 

Tiergarten Schönbrunn

(c)Daniel Zupanc

Vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns bereits jetzt auf den nächsten Besuch im Tiergarten.