Erfahrungsbericht Tesla S 90d – Ein leises Wochenende

Unser Kollege Markus Wild hat Glück gehabt. Er hat im Rahmen einer Veranstaltung den Hauptpreis gewonnen – ein Wochenende mit einem Tesla S 90d. Und natürlich wollten wir wissen, wie sein Wochenende mit dem elektrischen Untersatz war und haben ihm dazu mal ein paar Fragen gestellt.

Wien Energie: Bist du das erste Mal mit einem Elektroauto unterwegs gewesen?

Markus: Ja, eigentlich schon. Ich bin nur schon mal mit einem eGolf mitgefahren. Aber selbst war ich davor noch nie am Steuer.

Wien Energie: Was waren deine Erwartungen und was hat dich besonders gereizt einen Tesla zu fahren?

Markus: Im Rahmen meiner Tätigkeit war mir Tesla bereits ein Begriff. In meinem Bekanntenkreis gab es nicht wirklich jemanden, der mir über seine Erfahrungen mit einem Tesla berichten konnten. Deshalb hab ich mal bei den Kollegen des Fachbereichs Elektromobilität bei Wien Energie nachgefragt, damit ich in etwa weiß, was auf mich zukommt. Vor allem Punkte, wie Reichweite, Lautstärke beim Fahren, Tankmöglichkeiten, Fahrkomfort, Fahrassistenz waren für mich am interessantesten. Technische Werte wie PS, Drehmoment etc. sind für mich jedoch nicht wirklich von großem Interesse. Folgendes konnte ich also schon vorab rausfinden:

  • Reichweite: die angegebene Reichweite ist nicht immer die tatsächliche Reichweite. Die tatsächliche Reichweite hängt sehr stark von dem Fahrstil ab. Circa 300-350km sollten aber mit einer vollen Ladung kein Problem sein.
  • Lademöglichkeiten: Bei Tesla-Tankstellen kann man gratis tanken. Diese haben auch eine entsprechende Leistung, sodass man nicht allzu lange warten muss. Ansonsten kann man auf den Ladestationen der einzelnen Betreiber auch laden. Tesla hat einen eigenen Stecker, den andere nicht haben, sodass man einen Adapter benötigt (da am am besten nochmals recherchieren, ob das tatsächlich so ist. Darüber haben wir nicht so im Detail gesprochen)
  • Lautstärke beim Fahren: man hört keinen Motor, nur das Abrollgeräusch der Reifen.
  • Fahrkomfort: Sehr angenehm. Viel Platz für alle Passagiere – auch in den hinteren Reihen. Extrem viel Stauraum – im Vergleich zu einem Diesel/Benziner – da ein E-Auto nicht so viel Platz für Motor und Co benötigt.
  • Fahrassistenz: es gibt einen Tempomat und einen Fahrspurassistent. Beide funktionieren gut, jedoch sollte man immer „Herr“ am Steuer sein. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Bis zu den selbstfahrenden Autos dauert es noch bisschen.
  • Beschleunigung (extra darauf hingewiesen): Ein Tesla hat richtig Power unter der Haube und durch den elektrischen Antrieb beschleunigt er sehr schnell. Einen Bleifuß sollte man nicht unbedingt haben.

Wien Energie: Wurden deine Erwartungen bestätigt?
Markus: Hier muss ich in den einzelnen Kategorien unterscheiden, daher eins nach dem anderen.

  • Zur Reichweite: wir haben uns im Vorfeld über die Strecken schlau gemacht und wie es mit der ‚Tankfüllung‘ aussieht. Von Wien nach Klagenfurt wäre es vermutlich eng geworden (wäre sich wahrscheinlich schon ausgegangen). Wir wollten es aber nicht riskieren, weshalb wir im Tesla Store in Graz tanken waren. Reichweitentechnisch war das absolut kein Problem. Da wir ein Hotel mit E-Tankstelle hatten, gab es auch keine Bedenken bzgl Reichweite während unseres Urlaubs. Für Tagesausflüge rund um den Wörthersee hätte ich vermutlich mit einer ‚Tankfüllung‘ 2-3 Tage ausgehalten.
  • Zu den Lademöglichkeiten: wie gesagt hab ich mich im Vorfeld bzgl der Strecke und Tankmöglichkeiten ein wenig schlau gemacht. Zufällig hatte unser Hotel eine E-Tankstelle, weshalb wir das Auto bequem immer über Nacht haben laden können. Die Suche nach Ladesstellen während unseres Aufenthaltes am Wörthersee war somit überflüssig. Bei den Tesla Ladestationen kann man gratis tanken. Sobald für mich klar war, dass wir bei Tesla gratis tanken können, hab ich auch nicht weiter nachgeforscht. Tesla zeigt aber auch in der Navigation nicht-Tesla Tankstellen an, weshalb ich da auch beruhigt war und nicht allzu viel planen musste. Dennoch hab ich Websites wie Tanke besucht, auch aus Interesse, wie das Tankstellennetz in Wien so aussieht. Ich war echt überrascht, wie viele es alleine da schon gibt! Ein E-Auto in Wien ist glaub ich kein großes Problem mehr. Da ich eher außerhalb Wiens tanken musste, habe ich auch die Seite https://e-tankstellen-finder.com/at/de/elektrotankstellen ein wenig durchforstet, um mir einen Überblick über das Tankstellennetz zu verschaffen.

 

(c)Markus Wild

(c)Markus Wild

 

  • Zur Lautstärke beim Fahren: man hört wirklich keinen Motor und nur das Abrollgeräusch der Reifen. War sehr angenehm beim Fahren auch bei hohen Geschwindigkeiten. Man konnte sich normal unterhalten und musste nicht lauter reden. Das Schlafen am Beifahrersitz war dadurch noch angenehmen. Es gab einen „Zwischenfall“, wo wir durch eine Menschengruppe fahren wollten und die Leute nicht mitbekommen haben, dass wir hinter ihnen stehen – man hört das Auto nicht. Erst nach paar Sekunden wurden wir registriert.
  • Zum Fahrkomfort: Sehr angenehm. Viel Platz für alle 4-5 Personen, die mitfahren möchten – auch in den hinteren Reihen. Ich mit meinen 1,90 m hatte vorne kein Problem und wäre ich hinten gesessen auch nicht.  Extrem viel Stauraum. 3-4 große Reisekoffer im Kofferraum wären vermutlich möglich gewesen. Und man hat ja unter der Motorhaube auch noch Stauraum. Platz ohne Ende also.
  • Die Fahrassistenz: Wirklich das Highlight! Es gibt einen Intelligenten Tempomat, der die Geschwindigkeit automatisch anpasst, sobald sich ein Fahrzeug vor einem befindet. So ist gewährleistet, dass man immer den Abstand beibehält. Der Fahrspurassistent hat auch sehr positiv überrascht. Wie weit schon die Technik ist, ist unglaublich. Eine Kamera in der Windschutzscheibe „screent“ die Umgebung vor dem Tesla. Sobald er zwei Leitlinien am Boden erkennt, kann man den Fahrspurassistenten aktivieren und dann fährt das Auto fast von allein. Selbst bei Baustellen wusste er, dass er sich an den orangenen Linien orientieren muss und nicht an die weißen. Kurven sind auch kein Problem. Hab das auch auf einer Landstraße mit 100km/h getestet – wo auch Kurven waren – und es war kein Problem. Natürlich habe ich immer die Hände am Lenkrad gehabt, doch das Auto steuert fast von selbst. Sobald man das Gefühl hat, dass das Auto nicht richtig reagiert, muss man nur das Lenkrad bisschen bewegen und das System ist deaktiviert. Auf der Landstraße bei 100km/h in der Kurve war mir dann doch zu mulmig und hab da die volle Kontrolle übernommen. Aber auf der Autobahn war das echt angenehm. Rechte Spur, Tempomat auf 130 (so gibt’s auch keine Strafzettel 🙂 ) und Fahrspurassistent. Da das Auto jetzt viel übernimmt, kann man sich mehr auf den Verkehr fokussieren. War mal ein LKW davor hat der Tempomat automatisch abgebremst. Ich hab dann einfach überholt und die Systeme wieder aktiviert. Ich sag mal vorsichtig, dass zu ca 70% das Auto von Wien-Graz, Graz-Klagenfurt und retour auf der Autobahn selbst gefahren ist. Sollte man mal länger das Lenkrad nicht berühren, macht sich das Auto mit einem akustischen Signal bemerkbar und erinnert einen daran, die Hände am Lenkrad zu haben.

 

DSC_1036

(c)Markus Wild

 

  • Die Beschleunigung: Zitat von meiner Freundin: „das ist ja wie im Flugzeug, wenn es auf der Landebahn die Triebwerke startet. Da drückt’s dich richtig in den Sitz“. So richtig das Gas durchzutreten hab ich mich nicht getraut. Zu groß war der Respekt vor dem Auto. Aber die Beschleunigung ist echt ein Wahnsinn. Überraschend waren die Sitze (Fahrer und Beifahrer. Die hintere Reihe hat die Funktion glaube ich nicht) im Auto, die vielseitig einstellbar waren. Es gab auch eine Lendenstütze, die wir teilweise als Massage verwendet haben. Was mich/uns echt überrascht hat, war, dass es kaum Knöpfe gab. Tesla hat das Ganze sehr minimalistisch angelegt, aber trotzdem fehlt es an nichts. Gewisse Funktionen sind vielleicht umständlicher einzustellen, als wie bei einer „normalen“ Konsole, wo man nur einen Knopf betätigen oder was drehen muss (zB Klimaanlage), aber das war kein Problem für uns. Der Bildschirm ist echt groß 🙂 . Dort kann man alles machen, was man braucht, egal ob man die Einstellungen vom Auto ändern, das Radio einstellen, den Routenplaner nutzen oder die Verbrauchsstatistik ansehen will. Außerdem hatten wir Internet an Bord und LTE. War ganz angenehm, weil die Verbindung teilweise besser war, als mit unseren Handys.
  • Die Automatik. Der Umstieg von Gangschaltung auf Automatik war einfach und ist angenehm. Der Umstieg wieder auf die Gangschaltung war nicht so einfach. Aber nach dem 3x absterben, war ich wieder drin 🙂

 

(c)Markus Wild - Markus mit seinem Testwagen.

(c)Markus Wild

 

  • Die Rückfahrkamera. Diese war vor allem beim Einparken sehr hilfreich.
  • Sehr Sensible Pedale. Es bedarf am Anfang einer Umstellung auf die sensiblen Pedale. Vielleicht lag das daran, dass das Auto noch sehr neu war. Vor allem beim Bremsen wurden wir ein paar Mal überrascht wie schnell man da steht. Zum Glück waren wir immer angeschnallt, sonst würden uns vermutlich schon der eine oder andere Zahn fehlen 🙂 Aber wie gesagt, hat man sich mal dran gewöhnt, ist das auch kein Problem mehr.

Wien Energie: Gab es auch Enttäuschungen?

Markus:  Aufs Auto bezogen fallen mir keine ein. Am liebsten hätte ich das Auto gleich behalten, durfte das aber nicht. Zählt das als Enttäuschung? 🙂

Wien Energie: Gibt es von deiner Seite sonst noch Erwähnenswertes?

Markus: Meine Freundin war ein wenig skeptisch bezüglich E-Autos, doch das Wochenende hat ein Umdenken bewirkt. Bei der nächsten Anschaffung eines Autos werden wir auf alle Fälle auch verstärkt auf E-Autos schauen. Ich nehme an, dass sich die Reichweiten in den kommenden Jahren erhöhen werden und ebenso das Tankstellennetz.

Im Tesla Store Graz gab es einen Aufenthaltsraum für die Besitzer, die warten, dass das Auto gelanden wird. Dort gab es gratis WLAN, gratis Nespresso Kaffee bzw Tee und 0,5 Liter Wasserflaschen. Dort haben wir auch andere Tesla Besitzer getroffen und uns mit ihnen ein wenig unterhalten. In Österreich scheint es eine eigene Community zu geben, Tesla Fahrer kennen sich also untereinander. Es war irgendwie total nett, sich mit den Leuten zu unterhalten. Waren alle nett und aufgeschlossen und natürlich Tesla begeistert.

Ein Tesla Besitzer hat erzählt, dass sich in seinen Augen ein Tesla eher auszahlt als ein (teurer) Audi, Mercedes, BMW, Porsche etc. Ein Tesla ist zwar teurer in der Anschaffung, aber es fallen die (kostspieligen) Reparaturen weg und er ist bereits über 7000 km gefahren und hat nicht 1x für das Tanken bezahlt (für Tesla Fahrer ist das tanken bei Tesla Tankstellen ja gratis). Er findet, dass sich ein Tesla schneller „amortisiert“ als ein Diesel Auto – was auch immer er damit gemeint hat;  Vermutlich wegen der niedrigeren „Erhaltungskosten“ ist er auf Dauer günstiger.

Wien Energie: Dein persönliches Fazit zum Tesla S 90d?

Markus: Eine super Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ich konnte in einer frühen Phase die Zukunft der Mobilität testen und es hat echt Spaß gemacht und ich glaube jetzt umso mehr, dass die E-Mobilität die Zukunft ist, weil es einfach so viele Vorteile bringt.

Es gibt ja Angebote wie z.b. greenride.at, wo man einen Tesla über mehrere Tage/Wochenende hinweg relativ preisgünstig mieten kann. Vielleicht greife ich auf solch ein Angebot zurück, wenn ich mal wieder in Österreich unterwegs bin. Je nach Ziel kann es sogar billiger sein, als mit seinem eigenen Auto. Außerdem ist das Tankstellennetz bereits gut ausgebaut, dass man sich diesbezüglich auf jeden Fall keine Sorgen machen muss.

Lieber Markus, wir sagen vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht und die spannenden Infos zum Tesla!