Die Spittelau feiert Geburtstag! Zu feiern gab es jedoch nicht immer was. So war die heute sehr beliebte Müllverbrennungsanlage und Sehenswürdigkeit der Stadt Wien einst ein enormes Streitobjekt, über das sich besonders die Anrainer beschwerten. 
Am 15. Mai 1987 lösten Flämmarbeiten am Dach einen Großbrand aus. Die Anlage konnte aufgrund der Verwüstung nicht mehr in Betrieb genommen werden. Viele Bürgergruppen sprachen sich sofort für einen Abriss der Anlage aus, die Wiener Stadtregierung unter dem damaligen Bürgermeister Helmut Zilk entschied sich aber für einen Wiederaufbau. Die Gründe: In der Spittelau ist die komplette Fernwärmeinfrastruktur vorhanden und der Abfall muss nicht umweltbelastend von täglich bis zu 250 Müllfahrzeugen zu einem weit entfernten Standort transportiert werden.
Die Neugestaltung durch den Künstler Hundertwasser
In den Jahren 1988-1992 schuf Hundertwasser eine einzigartige Symbiose aus Technik, Ökologie und Kunst. Gemäß seiner idealistischen Einstellung übernahm der österreichische Künstler und Umweltaktivist die Neugestaltung der Anlage sogar kostenlos. Am 2. Dezember 1992 bekam Wien neben dem Riesenrad und Stephansdom ein neues Wahrzeichen – die Spittelau.
Bereits von weitem springen die bunte Fassade und die goldene Kugel auf dem Schlot ins Auge. Dachbegrünung und eine Bewaldung des Vordachs der Anlage bringen die Natur in die Stadtlandschaft zurück. Turmfalken, langjährige Bewohner des durch Brand zerstörten Vorgängerbaus fanden in den am Schlot eingebauten Nestern des Neubaus wieder ein Zuhause.
Symbol für nachhaltige, saubere und sichere Wärmeversorgung Wiens
Drei Argumente waren für Hundertwasser ausschlaggebend um die Spittelau zu gestalten: die Zusage, die Anlage nach modernsten technischen Standards zur Abgasreinigung auszurüsten; der Umstand, dass eine Millionenstadt wie Wien selbst bei größten Anstrengungen Abfälle nicht gänzlich vermeiden kann; und schließlich die Tatsache, dass die thermische Behandlung von Abfall die umweltfreundlichste Methode der Entsorgung ist.
Die Technologien bei den Filtern haben sich in den vergangenen Jahrzehnten derart weiterentwickelt, dass wir heute in der thermischen Abfallbehandlungsanlage Spittelau wie auch in den anderen Werken die gesetzlichen Grenzwerte um rund 90 Prozent unterschreiten.
Friedensreich Hundertwasser – Maler und Architekturdoktor für Mensch und Umwelt
Hundertwasser gelangte in den 1960er Jahren mit seinen Gemälden und Grafiken zu internationaler Bedeutung – unverwechselbar durch die ihnen eigene Farb- und Formensprache. In Hundertwassers Bildern taucht seit 1953 die Spirale als häufig wiederkehrendes Element auf. Sie entspricht seiner Vorstellung vom naturhaften Werden, vom
Wachsen, aber auch vom Vergehen. Typisch für Hundertwassers Malerei sind aber auch die natürlichen Farben. Als Gegner vorgefertigter Malmaterialien stellte er seine Farben selbst her. Er zerrieb Ziegel, Lehm, Erde oder Kohle und mischte sie mit Wasser, Öl, Ei oder Acryl.
Sein ganzes Leben lang beschäftigte sich Hundertwasser auch mit naturverbundenem, menschengerechterem Bauen und Wohnen. Aber erst im letzten Drittel seines Lebens bekam er Gelegenheit, seine architektonischen Entwürfe entsprechend seiner früh verfassten theoretischen Manifeste in die Wirklichkeit umzusetzen: 1982 gestaltete er die Fassade der Porzellanfabrik Rosenthal im deutschen Selb. Ein Jahr später folgte die Grundsteinlegung des Hundertwasser-Hauses in Wien, das 1985 an die Mieter übergeben wurde.In den folgenden Jahren arbeitete er weltweit an zahlreichen Architekturprojekten. So unterschiedlich diese Bauwerke sind, sie alle tragen unverkennbar Hundertwassers Handschrift – keine geometrisch geraden Linien, aber unregelmäßig gesetzte Fenster, begrünte und bewaldete Dächer, Fassaden mit bunter Keramik, Baummieter und unregelmäßige Skyline.
Insbesondere am Beispiel der thermischen Abfallbehandlungsanlage Spittelau hat Hundertwasser den Beweis erbracht, dass statt rationeller, unpersönlicher Architektur, anstelle steriler menschenunwürdiger Industriebauten ein schöpferischer Geist im Einklang mit der Natur zum Leben erweckt und die Schönheit von Industriebauten wiedergewonnen werden kann. Diese Architektur wurde nicht nur gelobt, aber viele seiner Ideen wie die Bewaldung und Begrünung der Dächer und das harmonische Miteinander von Mensch, Natur und Architektur sind heute allgemein anerkannt.
Aktuelle Kommentare
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von Wien Google am 17. Jun 2013
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von Wien Pölten am 15. Jun 2013
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