Heute war mein letzter Tag mit dem eCross. 2522 km stehen schlussendlich am Tacho. Mein Fazit über das KTM eCross als Boten-Radl: zuverlässig bis zur Selbstverleugnung (es fährt auch ohne Strom), aber zu langsam (liegt an der StVO) und zu schwer (liegt an der Ausstattung und am Bionx-System). Ich wünschte mir die Unterstützung würde bis 35 km/h gehen und ein Gewicht um die 12 bis max. 15kg, aber am liebsten 10 kg.
Wendet man den Blick aber der Wiener Verkehrssituation zu, die ja ein Faktor für die eigene Schnelligkeit ist, muss noch einiges getan werden. Momentan fühlt man sich wie in einem riesigen Supermarkt voll Kunden, in der nur eine Kassa geöffnet hat. Es sind einfach zu viele Autos in der Innenstadt unterwegs. Die Busse müssen teilweise auf den Gehsteig ausweichen, um an den geparkten Autos vorbei zu kommen. Das kann’s nicht sein.
Aber warum so viele Autos? Ich habe über 20 Tiefgaragen im und am 1. Bezirk liegend gezählt. Man kann sogar unterm Stephansdom parken, wenn man will. Dazu die unzähligen normalen Parkplätze. Selbst am Josefsplatz und Heldenplatz gibt es Autostellflächen. Das Fahrrad und das Pedelec ziehen gegenüber dem Auto zwangsläufig den kürzeren, sobald der Nutzer über das Verkehrsmittel seiner Wahl entscheidet, weil es zugegebenermaßen nicht so bequem zu benutzen ist. Selbst ein Pedelec wird nie den Komfort bieten können, den ein Auto zur Verfügung stellt.
Ich sage: es darf gar nicht zu dieser Wahl kommen. Der Weg in die Innenstadt muss den Autos so sehr erschwert werden, dass sich diese Wahl aus Vernunftgründen erübrigt. Ich hab das in Montpellier (Frankreich) verwirklicht gesehen. Die großen Einfallstraßen haben nur mehr eine einzige KFZ-Spur. Die restlichen Fahrspuren sind den Öffis und dem Fahrrad vorbehalten. Stau ohne Ende für jene Autofahrer, die das preiswerte Park&Ride Angebot von Montpellier nicht nutzen. Das empfand ich als echten Fortschritt. Und erst wenn weniger Autos da sind (ich schließe da die kommenden E-Autos ein), kann man über Shared Space u.a. Verkehrskonzepte, die die Nutzung des Fahrrads forcieren, reden. Bis dahin ist alles Krampf und Kampf.
Trotzdem, allen E-Bikern und Ex-E-Bikern weiterhin gute Fahrt und großen Dank an Veloce und Wien Energie für die Testmöglichkeit. Es hat Spaß gemacht!
Brenner
P.S.: in eigener Sache, so mir das gestattet ist: ich starte mit 3. August eine citycyclingschool, um Techniken für ein sicheres Fortkommen in Wien auf dem Fahrrad zu vermitteln. Interessierte sind herzlich willkommen, die ersten 10 erhalten Gratis-Unterricht (7 Plätze sind noch frei)

Schlusszählerstand: 2522 km am KTM eCross

KTM eCross nach 2522 km vor Veloce Zentrale

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