Das hat Prof. Lino Guzzella von der ETH Zürich in einem am 6/9/2009 in der “Zeit” veröffentlichten Interview gemeint. Bezogen war das auf batteriebetriebene Elektroautos, bei denen wir AutofahrerInnen, um jemals bei der Reichweite von Verbrennungsmotorfahrzeugen mithalten zu können, mit geringerer Leistung und weniger Komfort auskommen müssen.
Ob denn das Elektroauto aber nicht jetzt schon eine super Alternative für den Stadtverkehr sei, wo Reichweite nicht so sehr das Thema ist, wurde Guzzella noch gefrat. Darauf meinte dieser: „Völlig falsch! In der Stadt braucht man doch kein Auto! In der Stadt soll man zu Fuß gehen, Velo fahren, das Tram nehmen.”
Der gute Hr. Professor spricht mir aus der Seele: ich bin auch für die Zurückeroberung des innerstädtischen Raums durch FußgängerInnen und RadfahrerInnen, auch wenn mich mein ältester Bruder dafür verflucht, der sich regelmäßig über die Parkplatzsituation im siebenten Bezirk beschwert, wo er wohnt.
Ich sinniere beim Vorbeifahren an den Staukolonnen, die mittlerweile in Wien zum Straßenbild gehören wie die Litfaßsäulen, manchmal darüber nach, von welchem Teufel die Menschen in ihren Blechkisten geritten werden, die täglich im Stau stehen. „Ich konnte mir als Student kein Auto leisten, jetzt habe ich ein Firmenauto – ich fahre sicher nicht mit den Öffis“ hat mir einmal ein autofahrender Papa eines Kindergartenfreundes meiner Tochter erklärt. Der Mann wohnt neben einer U3 Station und muss in den Ersten in’s Büro.
Ist Autofahren ein Problem des sozialen Aufstiegs? Eher nicht.
Denn beispielsweise vom Wilhelminenberg rollen aus den schmucken Garagen täglich die fetten Dreitonner den Berg hinunter – um dann ab der Maroltingerstraße hinter dem 46er in die Stadt hinein zu stauen. Dabei dürften aber einige FahrerInnen (da kann ich leider die Damen nicht ausschließen) null entspannt sein. Vielleicht weil sie alleine sich zum Autofahren berechtigt fühlen und die anderen, die den Stau verursachen, verfluchen – frei nach Danzer „Alle sind deppert nur nicht ich“.
Und RadfahrerInnen sind überhaupt das Abscheulichste. Gestern z.B. hat ein SUV Fahrer mit hochtourig brummenden Motor einen Meter hinter mir und dem eCross herfahrend meine Entscheidung quittiert, auf meinem Rechtsvorrang zu beharren. Heute hatte ich zum Glück die Ruhe, ihn einfach zu ignorieren (womit man einen Wiener bekanntlich am Härtesten trifft). Aber zugegeben war meine Schadenfreude groß, als er mit seinem schiachen BMW heute schon ab dem Grünspan im Stau stand. Wahrscheinlich war er noch nicht einmal beim Gürtel, als ich am Rennweg im Büro schon mein zweites (nach der Radltour wohlverdientes) Frühstück geschmaust habe.
Ich habe schon einmal gebloggt, dass es vor zwanzig Jahren mit dem Fahrrad in Wien viel schlimmer war als heute – einiges verändert sich zum Guten, auch wenn es manchmal ein bisschen dauert. Hat vielleicht jemand anderer außer mir Anfang der 1990er Jahr versucht, einen ungeregelten Zebrastreifen zu benutzen, obwohl Autos heran nahten? Regelmäßig musste ich zurück springen, um nicht angefahren zu werden, einmal hat mich ein Taxler dann doch erwischt. Heute ist es in Wien eher die Regel als die Ausnahme, dass vor Fußgängerübergängen angehalten wird.
Und so gehe ich zuversichtlich in die Zukunft, dass es mit dem Verständnis für und mit der Rücksichtnahme auf RadfahrerInnen ebenfalls weiter bergauf geht.

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