Der Wettkampf hat seine eigenen Gesetze! Vorab: Meine Familie, Paul und meine anderen Freunde waren heute superpünktlich am vereinbarten Treffpunkt. Wir hatten noch jede Menge herumgewitzelt und sind danach zu den LKWs gegangen, in denen man die Säcke mit der Bekleidung abgibt, dann begannen wir uns kurz aufzuwärmen. Tom und Stuki sind im Gelben Startblock gestartet, Paul und ich im Blauen.
Pünktlich um 9:00Uhr ertönte das Startsignal, wir standen sehr weit vorne. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Leute vor uns Gasgeben wollten. Über die Startmatte sind wir gegangen, dann die ersten Laufschritte. Wir hatten uns eine Pace von 5:00min/km vorgenommen. Ich bin immer ein schneller Starter, aber so schnell wie heute, wollte ich es eigentlich nicht angehen.
Der erste Kilometer war nach 4:28Minuten vorüber, von da an bemühte ich mich wirklich Tempo herauszunehmen, das gelang mir aber nur bedingt. Immer wieder schlichen sich Kilometer mit einer Pace unter 4:30 ein, die Bremsenergie, die ich für ein langsameres Tempo gebraucht hätte, wollte ich nicht aufbringen. Erste Verpflegestelle passiert, dann im Wiental konnte ich endlich das Tempo anpassen und nahezu einheitliche Zeiten laufen.
Paul holte mich etwa bei km 15 ein. Von da an liefen wir gemeinsam immer unter 4:50. Es war wunderbar, keine Schwächen und Windprobleme spürte ich auch nicht. Bei km 20 eine weitere Verpflegestelle, an der ich mein Flascherl von meiner Frau bekam. (Foto für den Teamgeist!)).
Danach beendeten wir den HM mit tollen 1: 42Stunden. Paul war sehr motiviert, das Laufen mit ihm machte sehr viel Spaß. Geredet haben wir nicht sehr viel, denn der iPod versorgte Paul mit Musik. Liechtensteinstraße und Friedensbrücke passierten wir gemeinsam. Auf der Oberen Donaustraße und Schüttelstraße forcierte Paul das Tempo, was umso bedeutungsvoller ist, weil dort der heftigste Gegenwind zu verspüren war. Ich musste ziemlich kämpfen und konnte (wollte) das Tempo nicht mitgehen.
Bei km 30 kam dann das, was kommen musste. Ermüdungserscheinungen mit leichten Verkrampfungstendenzen im hinteren Oberschenkelbereich erforderten das bis dahin hohe Tempo (immer noch 4:50) zu reduzieren. Flachere Schritte, weniger Dynamik, um ein weiteres Verkrampfen zu vermeiden. Auf der Prater Hauptallee merkte ich, dass ich zusätzlich reduzieren musste. Die Oberschenkelmuskulatur machte weiter zu.
Ab km 35 war nur mehr eine Pace von 6:00 möglich. Diese wollte ich aber unbedingt halten und kämpfte daher sehr intensiv. Die Schmerzen wurden immer mehr, Krampftendenz immer häufiger, glücklicherweise konnte ich bis ins Ziel durchlaufen – es war aber nur mehr Kampf mit dem Krampf.
Nach 3:35:47 überhumpelte ich die Ziellinie und war mit dem Ergebnis trotz der Schwierigkeiten sehr zufrieden.
Wenn ich an den vergangenen Mittwoch mit Fieber und Gliederschmerzen zurückdenke, muss ich sehr froh sein, dass ich überhaupt teilnehmen konnte. Ich glaube, dass die Erkrankung in Verbindung mit medikamentöser Behandlung und dem hohen Starttempo letztendlich zur Schwächung im letzten Drittel des Marathons führten. Das Ergebnis stimmt mich aber sehr zuversichtlich für meine weiteren Wettkämpfe und Ambitionen.
Ich möchte aber nicht versäumen auch meine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Die Möglichkeit als offizieller Wien Energie Marathonläufer mit Mitarbeitern des Unternehmens in Kontakt zu treten und mit Hilfe des Blogs meine Erfahrungen mit den der anderen Athleten auszutauschen, fand ich sehr interessant und animierend. Dahinter steckt aber einiges an Organisation. Die Goodies, die Paul und ich bekamen, übertrafen das ohnehin schon sehr tolle Angebot. Mein Dank dafür und die Begeisterung äußert sich in knapp 90 Bloggeinträgen, die ich sehr gerne geschrieben habe.
Zu dem Trainingspensum, das ich in den letzten Wochen abgespult habe, gehören aber auch Entbehrungen in der Familie. Meine Frau und mein Sohn sind daran zwar schon gewöhnt, selbstverständlich ist deren Toleranz aber sicher nicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch dafür.
Danke auch an meinen Coach Dirk, der hervorragende Trainingspläne für mich geschrieben hat. Ich habe diese alle in die Tat umgesetzt und bin schon sehr gespannt auf die weiteren Ziele (Bsp. IRONMAN).
Auch meine Freunde Tom, Stuki, Andi und auch alle anderen mit denen ich viele gemeinsame Trainingsstunden verbracht habe, danke ich für deren kurzweilige Unterstützung. Diese machen so manche Trainingseinheit zum Vergnügen.
Danke auch an Paul, der mit seinem zwar noch jungen Alter einen sehr großen Ehrgeiz gezeigt hat und einen großen Teil des heutigen Wettkampfes mit mir gemeinsam zurücklegte. Die Trainingseinheiten mit ihm waren ein absoluter Gewinn. Er ist ein Pfundskerl, ich würde mich sehr freuen, wenn wir in Kontakt blieben und einige Trainingseinheiten gemeinsam absolvieren könnten. Vielleicht kann ich ihn auch zu einem weiteren Angriff auf eine Zeit unter 200Minuten im nächsten Jahr überreden. Seine heutige Leistung zeigt, dass noch einiges bei ihm drinnen ist.
Danke an den Veranstalter für einen super Bewerb in unserer geliebten Heimatstadt.
Danke an die vielen Freunde am Streckenrand und alle Zuseher, deren Beitrag ist ein unheimlich wichtiger für alle Athleten in den verschiedenen Leistungsgruppen.

Paul, Tom, Stuki und Martin vor dem Start

Teamgeist Martin und Paul beim VCM 2010

Preisverleihung nach dem Wettkampf
In diesem Sinne – der erste Tag nach dem Marathon ist auch der erste Tag vor dem nächsten!
keep on running 
Martin
PS.: Damit mir nicht fad wird und ich nicht unnötig versulze, durfte ich heute Abend noch einen Wasserrohrbruch (Sifonschaden) in unserer Küche beheben. Das ist nach einem Marathon auch nicht gerade das was man sich wünscht!
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