11 Fragen an Wolfgang Konrad, Organisator des Vienna City Marathon

Am 23. April 2017 ist es wieder soweit, der Vienna City Marathon geht über die Bühne. Das Laufevent der Superlative in Wien. Der Organisator Wolfgang Konrad sorgt nicht nur dafür, dass tausende von Läufer einen einzigartigen Marathon erleben, sondern auch er selbst ist ein wahres Energiebündel. Seit 1989 organisiert er den Vienna City Marathon. 24 Stunden Energie-Redakteur Wolfgang Wieser spricht mit ihm über Veränderungen, Laufen und Leidenschaft. Plus: eine Anleitung zum Marathon-Training. Dieses Interview aus unserem aktuellen Magazin möchten wir dir natürlich nicht vorenthalten.

Herr Konrad, wir haben zuletzt vor fünf Jahren miteinander gesprochen. Was hat sich in diesen vergangenen fünf Jahren beim Vienna City Marathon verändert?

(lacht) Witzig, ich habe mir die Frage heute schon selbst gestellt. Reden wir aber nicht von den letzten fünf Jahren, sondern von den vergangenen 25 Jahren.
Die gesamte Veranstaltungsszene ist eine andere geworden. Rund um die Events in Österreich hat sich eine Industrie entwickelt. Wenn wir vor 25 Jahren 20 Kilometer Absperrgitter hätten aufstellen müssen, wäre ein Marathon nicht möglich gewesen, so viele Absperrgitter gab’s in ganz Österreich nicht. Was sich im Bereich der Zeitnehmung getan hat, kommt einer Revolution gleich. Und das Laufen ist zum fixen Bestandteil unserer Gesellschaft geworden.

Warum läuft Mensch so gerne?

Erstens entspricht es unserer Natur. Wären unsere Vorfahren nicht gelaufen, wären sie als Jäger und Sammler verhungert. Und zweitens, weil es so einfach ist. Ich kann immer und überall laufen, ich muss nur wollen.

Und warum laufen so viele den Vienna City Marathon?

Weil er Österreichs größte Active-Lifestyle-Veranstaltung ist. Weil er schön ist und es ein unheimliches Erlebnis ist, als Teil bei etwas Großem dabei zu sein.

Nehmen die Läufer die Schönheit der Stadt wahr? Hören sie den Donauwalzer auf der Reichsbrücke oder leiden sie eher auf den 42 Kilometern?

Natürlich kriegen die Läufer das mit. Der Vienna City Marathon ist ein Museumsbesuch in kurzen Hosen. Ein paar werden auch leiden – die, die sich nicht ausreichend vorbereitet haben. Aber vielleicht ist es auch gerade das Leiden, das die Menschen haben wollen. Nach dem Motto: Leidenschaft, die Leiden schafft.

Aber warum will man leiden?

Weil ich dadurch meinen Körper spüre. Ich weiß dann, dass er noch da ist.

Wenn ich nächstes Jahr beim 35. Vienna City Marathon dabei sein will, was muss ich tun? Wann beginne ich zu trainieren?

Heute Nachmittag. Nein, das war ein Witz. Was machen Sie sonst?

Wenig.

Dann fangen Sie besser doch heute Nachmittag an – mit einem leichten Spaziergang.

Und wenn ich über dieses Stadium hinaus bin?

Dann.gehen.Sie.laufen.

Was heißt das genau?

Gehen Sie los. Und wenn Sie Lust verspüren, laufen Sie ein Stückerl. Bis Sie keine Lust mehr haben. Dann gehen Sie wieder. Das ist ein psychologischer Trick. Viel Experten sagen: „Lauft und wenn ihr nicht mehr könnt, dann geht halt ein Stückerl.“ Das ist negativ besetzt. Ich sag: „Geh. Und wenn du Lust hast, dann lauf.“ Das ist eine positive Botschaft.

Ich habe Sie das vor fünf Jahren schon einmal gefragt: Was ist anstrengender, einen Marathon zu laufen oder einen zu veranstalten?

Einen Marathon zu laufen dauert nicht so lange. Was habe ich damals geantwortet?

„Beides ist Marathon, beides ist anstrengend – aber eine Riesenherausforderung.“

Das stimmt noch immer.

 

Wolfgang Konrad, 58, organisiert den Vienna City Marathon seit 1989. In diesem Jahr hatte er als letztes Rennen seiner aktiven Karriere den Wiener Marathon absolviert. In einer Zeit von 2:23:17. Konrad ist verheiratet und hat zwei Söhne.