Experteninterview zur Blockchain-Technologie

Die Blockchain-Technologie ist ein dezentrales Register in einem Personen-zu-Personen-Netzwerk. Teilnehmer können Transaktionen ohne eine zentrale Autorisierungsstelle durchführen und bestätigen. Bekannt ist die Technologie vor allem im Kontext der Kryptowährung Bitcoin. Wien Energie testet die Technologie derzeit im Zusammenhang mit dem Gashandel. Organisations-Projektleiter Wolfgang Otter erklärt im Interview, wie die Technologie funktioniert und welche Vorteile sie dem Unternehmen bringt.

Was ist die Blockchain-Technologie?

Wolfgang Otter: Bei der Blockchain-Technologie handelt es sich um eine dezentrale Speichertechnologie, die für viele Anwendungsbereiche geeignet ist – zum Beispiel, um Grundbuchdaten oder Handelsdaten sicher zu speichern. Manchen mag sie auch im Zusammenhang mit dem Bitcoin-Handel ein Begriff sein.

Worin liegt der Vorteil der Blockchain-Technologie?

Wolfgang Otter: Der große Vorteil liegt darin, dass die Daten an verschiedenen Orten, also dezentral gespeichert werden. Im Nachhinein sind sie nicht veränderbar, beziehungsweise, wenn sie verändert werden, kann man das genau zurückverfolgen und überprüfen. Auch werden in diesem Fall die Ausgangs-Daten nicht einfach überschrieben, sondern bleiben in ihrer ursprünglichen  Form erhalten. Die Daten können auch verschlüsselt auf der Blockchain gespeichert werden. Bisher wurde die Technologie noch nicht gehackt.

Wie funktioniert ein Block?

Wolfgang Otter: Im Fall von Bitcoin beispielsweise, werden die Transaktionsdaten der letzten zehn Minuten zu einem Paket zusammengefasst, also gewissermaßen zu einem Ordner oder Block. Von diesem Block wird mittels eines Algorithmus ein „Hash“, also eine Prüfsumme gebildet. Diese Prüfsumme wird in den jeweils nächsten Block hineingespeichert, für den wiederum eine neue Prüfsumme errechnet wird. Das ergibt eine Blockchain, also eine ununterbrochene Kette bis zum ersten Block, dem Genesis-Block. Werden die Daten verändert, ändert sich auch die ursprüngliche Prüfsumme und diese stimmt folglich mit der im nachfolgenden Block gespeicherten nicht mehr überein.

In welchem Bereich sieht Wien Energie einen Nutzen der Blockchain-Technologie?

Wolfgang Otter: Wir testen die Technologie im Zusammenhang mit dem internationalen Gashandel und wollen herausfinden, ob Blockchain im Vergleich zu konventionellen Systemen Vorteile bringt. Derzeit geht es ausschließlich um den Handel zwischen aktuellen Großhandelsteilnehmern beim Gas-Trading. Für den Endverbraucher ist die Technologie im Moment nicht relevant. Längerfristig könnten sich aber auch für den Konsumenten Anwendungsbereiche ergeben. Denkbar wäre dies zum Beispiel beim Peer-to-Peer-Trading, beim Solarstrom, der sich im Mehrfamilienhaus oder in dezentralen Netzen verteilt oder auch bei der E-Mobilität. Das ist derzeit aber definitiv noch Zukunftsmusik.

Wie lange läuft die Testphase?

Wolfgang Otter: Im März haben wir mit der Testphase begonnen, bis Juni wird sie laut Plan abgeschlossen sein.

 

Lieber Wolfgang, vielen Dank für das Interview!

Mehr zur Testphase findest du auch im passenden Artikel der Futurzone. Wie es weitergeht, dazu halten wir euch natürlich auf dem Laufenden.