Arbeitswelt 4.0: Augmented Reality im Kraftwerk ist bei uns schon im Einsatz

Im März 2017 haben wir bei Wien Energie eine Innovation Challenge gestartet. MitarbeiterInnen aus den verschiedensten Bereichen haben gemeinsam mit auserwählten Startups an innovativen Projekten und Geschäftsmodellen gearbeitet. Am Ende der Accelerationphase hat die Jury – zusammengesetzt aus Geschäftsführung und verschiedenen AbteilungsleiterInnen – entschieden, welche Projekte in die Umsetzung gehen. Das Projekt „Augmented Reality: Maintenance 4.0“ war eines der Siegerprojekte und ist bereits seit mehreren Monaten im Testbetrieb. Wir haben einen der Gründer von ViewAR, Philip Fumolo, zum Interview getroffen.

Wien Energie: Seit März arbeiten Sie gemeinsam mit Wien Energie an dem Projekt „Augmented Reality: Maintenance 4.0“. Um was geht es genau bei diesem Projekt?

Phillip Fumolo (ViewAR):

Anwendungen mit Augmented Reality (AR) Technologie haben besonders im Anlagenservice messbare Vorteile. Unterstützt durch Hardware wie der Microsoft HoloLens können TechnikerInnen vor Ort alle relevanten Echtzeitdaten einer bestimmten Anlage zur Einschätzung der Lage nutzen und auch ergänzende Informationen an genau definierten Positionen in der Anlage verankern. Das erleichtert die tägliche Arbeit der TechnikerInnen, die bei Bedarf auch genaue Anleitungen für ihre Tätigkeiten abrufen können, wie z. B. das Wechseln eines Filters oder den Aufbau einer Maschine.

Die Indoor Navigation via AR führt die richtigen Personen rascher an den richtigen Ort, an dem auch kollaboratives Arbeiten ohne die physische Anwesenheit diverser SpezialistInnen ermöglicht wird. Speziell in Krisenfällen, in denen oft Fachleute aus dem Ausland eingeflogen werden müssen, zeigt Augmented Reality im Umfeld Industrie 4.0 seine eigentliche Stärke. Das Display wird zum zentralen Management Tool für effektive Wartungsarbeiten.

Die Themengebiete die hiermit berührt werden sollen sind:

  • In-time Expertenwissen (rasche Zuschaltung von Remote-ExpertInnen in kritischen Situationen)
  • Dokumentation (effiziente digitalisierte Dokumentation aller Wartungsarbeiten und begleitenden Maßnahmen)
  • Entscheidungsgrundlagen (Verfügbarkeit aller relevanten Informationen für eine Entscheidungsfindung am Ort des Geschehens)
  • Hands-free Ansatz (uneingeschränkter Einsatz der Hände)
  • Fehlerreduktion (spürbare Reduzierung von Fehlern auf Grund von „digitalem Lernen“)
  • Aus- und Fortbildung (digitales dokumentiertes Wissensmanagement für alle Bereiche der Arbeit)

Der Einsatz von Augmented Reality im Biomassekraftwerk Simmering war der erste Schritt, um die neue Technologie auf ihre praktische Anwendbarkeit zu testen. Das positive Feedback aller Beteiligten öffnet jetzt neue Chancen am Weg zu digitalen Kraftwerken und weiteren Industrie 4.0 Projekten.

(c)Wien Energie/Robert Rubak

Wien Energie: Seit wann arbeitet ViewAR an der Entwicklung der Datenbrille kombiniert mit der Software?

Philipp Fumolo (ViewAR): Seit Juni 2016 arbeiten wir bereits daran.

Wien Energie: Diese Entwicklungen haben also Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Man spricht hier also auch von der Arbeitswelt 4.0. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Arbeitswelt 4.0 aus?

Philipp Fumolo (ViewAR): Durch Tools wie die Software Maintenance 4.0 wird es in Zukunft möglich sein effizienter zu arbeiten und viele Fehlerquellen zu beseitigen. So können die Tätigkeiten von erfahrenenen MitarbeiterInnen dokumentiert werden und neuen MitarbeiterInnen im Training näher gebracht werden. ExpertInnen können vor Ort gebracht werden ohne physisch anwesend zu sein und Arbeitszeiten werden durch die Hilfestellung vieler Tools beschleunigt.

Wien Energie:  Wie sind die ersten Reaktionen der MitarbeiterInnen bisher, die bei den Tests mit eingebunden sind?

Philipp Fumolo (ViewAR): Die MitarbeiterInnen, die das Potenzial aufgezeigt bekommen haben, sind fasziniert. Wichtig ist hier zu differenzieren, dass die Anwendung der Datenbrille bei Routine-Abläufen unter erfahrenen MitarbeiterInnen einen sehr geringen Mehrwert mitbringt. Wichtig ist es, die richtigen Use-Cases zu identifizieren und die Brille auch stark im Bereich des Trainings zu positionieren.

(c)Wien Energie/Robert Rubak

 

(c)Wien Energie/Robert Rubak

Wien Energie: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen der Digitalisierung für Unternehmen wie Wien Energie? Und welchen Beitrag leistet Ihr gemeinsames Projekt bereits dazu?

Philipp Fumolo (ViewAR): Eindeutig muss sich die Hardware noch an viele Bestimmungen (Sicherheit- und Gesundheit) anpassen und diesen gerecht werden, um auch wirklich im produzierenden Betrieben eingesetzt werden zu können. Wir werden in den nächsten Monaten und Jahren noch viele spannende Entwicklungen sehen. Wichtig ist es aber, jetzt bereits mit der Digitalisierung zu starten. Die Entwicklung der Hardware ergibt sich mit der Evulotion der Technologie.

Wien Energie: Was ist für Sie der nächste spannende Schritt im Projekt? Welche weiteren Entwicklungsschritte stehen jetzt mit Wien Energie an?

Philipp Fumolo (ViewAR): Der Einsatz von Remote-Support und das Hinzufügen von künstlicher Intelligenz, um die Trainings-Mechansimen voranzutreiben, sind zwei der vielen spannenden Gebiete, auf die das Projekt ausgeweitet werden soll. Zudem ist es uns ein großes Anliegen, das System soweit auszubauen, um eine unabhängige Bedienung durch die MitarbeiterInnen von Wien Energie zu ermögliche – so sollen auch neue Prozesse direkt intern im System dargestellt werden können.

Wien Energie: Würden Sie auch anderen Startups empfehlen bei der Wien Energie Innovation Challenge mitzumachen?

Philipp Fumolo (ViewAR): Auf jeden Fall. Sowohl die Zusammenarbeit mit ExpertInnen der Industrie, sowie die Begleitung durch das gesamte Innovationsteam haben uns dabei geholfen schnell die wichtigsten Use-Cases für eine Millionen-Industrie zu identifizieren und an Lösungen daran zu arbeiten. Die schlanke Vorgehensweise hat zudem dabei geholfen, in kürzester Zeit einen herzeigbaren Prototypen zu entwickeln – durch diesen konnten wir wieder viel Erfahrung sammeln.

Lieber Herr Fumolo, vielen Dank für das Interview und die spannenden Einblicke in das Projekt. Wir freuen uns auf laufende Updates und wünschen weiterhin Viel Erfolg!

Wer noch mehr zum Thema Augmented Reality erfahren möchte, hier einen weiterer Blogartikel und eine Einführung ins Thema inklusive Video: