Die Geschichte der Müllverbrennungsanlage Spittelau – Nach Großbrand ein Wahrzeichen

Der Herbst steht bei uns ganz im Zeichen von Friedensreich Hundertwasser, genauer gesagt der Neugestaltung der Müllverbrennungsanlage Spittelau. Daher wollen wir dich in diesem Artikel auf eine geschichtliche Zeitreise mitnehmen.

Großbrand in der Müllverbrennungsanlage

Der 15. Mai 1987 war ein tiefer Einschnitt in der Unternehmensgeschichte. Nachdem die thermische Abfallbehandlungsanlage Spittelau 1971 ihren Betrieb aufgenommen hatte, versorgte sie in den folgenden Jahren viele WienerInnen zuverlässig mit Heizwärme. Nach 16 erfolgreichen Betriebsjahren bricht jedoch während Revisionsarbeiten Feuer aus. Ein überwiegender Teil der Anlage wird durch den Großbrand zerstört. Durch das bereits in wesentlichen Teilen vorhandenen Verbundnetz kann Wien Energie Fernwärme (damals noch der Unternehmensname und eigenständig – heute Wien Energie GmbH) die sichere Versorgung trotz des Ausfalls der Spittelau problemlos garantieren. Doch die Frage, was aus der Brandruine werden soll, ist zunächst offen. Bürgergruppen sprechen sich für einen Abriss der Anlage aus. Die Wiener Stadtregierung unter Bürgermeister Helmut Zilk entscheidet sich aber für einen Wiederaufbau am bisherigen Standort.

Ein absoluter Vorteil des Standorts ist bis heute, dass in der Spittelau die komplette Fernwärmeinfrastruktur vorhanden ist und der Abfall nicht umweltbelastend zu einem weit entfernten Standort transportiert werden muss. Außerdem soll die neue Spittelau hohe Maßstäbe im Umweltschutz setzen – der Einbau modernster Technologie zur Rauchgasreinigung macht sie zur weltweit saubersten thermischen Abfallbehandlungsanlage.

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Das neue Erscheinungsbild: Ökologisch & Bunt

Die neue Spittelau soll nicht nur punkto Ökologie, sondern auch hinsichtlich ihres äußeren Erscheinungsbildes Vorreiter sein. Deshalb lädt der damalige Bürgermeister Helmut Zilk Friedensreich Hundertwasser zur Neugestaltung ein. Hundertwasser lehnte zunächst ab, Zilk gab jedoch nicht auf, bis Hunderwasser schließlich zusagte. Warum er zunächst absagte? Es sollten alle Möglichkeiten der Abfallvermeidung und -wiederverwertung ausgeschöpft werden.

Folgende drei Argumente stimmten ihn jedoch schließlich um: die Zusage, die Anlage mit modernsten technischen Einrichtungen zur Emissionsreinigung auszurüsten. Der Umstand, dass eine Millionenstadt wie Wien selbst bei größten Anstrengungen Abfälle nicht gänzlich vermeiden kann. Und vor allem die Tatsache, dass die thermische Behandlung von Abfall die umweltfreundlichste Methode der Entsorgung ist. Somit war der Weg frei für die neue Spittelau.

(c)Wien Energie

Kostenlose, naturnahe Gestaltung

Gemäß seiner idealistischen Einstellung übernahm Hundertwasser die naturnahe Neugestaltung der Spittelau sogar kostenlos. Beginnend mit dem Jahr 1988 bis zur Übergabe im Jahr 1992 verandelte Hundertwasser die Anlage Spittelau in das Symbol des von Wien Energie Fernwärme formulierten Anspruchs – nachhaltige, umweltfreundliche und sichere Wärmeversorgung für Wien.

Hundertwasser übernahm die Umgestaltung unter der Bedingung, dass mit der Wiederinbetriebnahme der thermischen Abfallbehandlungsanlage am Donaukanal ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Wiener Luft und zur Vernichtung der Schadstoffe im Abfall geleistet wird. Daher wurde die Müllverbrennungsanlage im Zuge der Renovierung mit modernsten Raumgasreinigungsanlagen Europas ausgestattet.

(c)Wien Energie/Ernst Schauer

Die Neugestaltung

Sein ganzes Leben lang beschäftigte sich Friedensreich Hundertwasser intensiv mit naturverbundenem, menschengerechterem Bauen und Wohnen. Unverwechselbar wurde er vor allem durch seine Farb- und Formensprache. Typisch für Hundertwasser Malerei sind nicht nur seine Formen, sondern auch seine natürlichen Farben. Als Gegner vorgefertigter Malmaterialien stellte er seine Farben selbst her. Er zerrieb Ziegel, Lehm, Erde oder Kohle und mischte sie mit Wasser, Öl, Ei oder Acryl. Mit seiner Wortschöpfung „dunkelbunt“ gab er dem Leuchtenden und Lebedingen dieser Farben einen Namen.

Ein fröhliches Gebäude in Einklang mit Natur und Mensch

Aus dem grauen und nüchternen Zweckbau schuf Hundertwasser ein fröhnliches Gebäude im Einklang mit Natur und Mensch. Die Architektur des Baus formuliert in aller Deutlichkeit: Hier ist jeder willkommen. Denn bereits von weiterem grüßen die bunten FAssaden mit ihren intensiv leuchtenden, kontrastreichen Farben und die markant am Ende des Kamins gesetzte goldene Kugel. In der Spittelau vereint sich ein sinnvoller kreislauf von Wertstoffen, der sich nicht nur in der architektonischen Gestaltung zeigt, sondern auch in der Dachbegrünung und Baumbepflanzung. Diese bringen auf dem Müllbunkerdach die Natur zurück. Turmfalken haben ein Heim in dem am Kabin eingebauten Nistplätzen gefunden.

Auch heute wird das Hundertwasser Design nicht nur von außen fotografiert und bewundert, sondern auch von zahlreichen Schulklassen, KundInnen und internationalen Delegationen besucht. Die Spittelau ist heute ein international viel beachtetes Beispiel, wie sich bei Zweckbauten Mensch, Natur und wirtschaftliche Ziele in harmonischen Einklang bringen lassen.

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