Augmented Reality: Wie die Datenbrille meine Arbeit erleichtern wird

Natürlich arbeiten wir an zahlreichen innovativen Projekten. Auf eines sind wir aber ganz besonders stolz: Augmented Reality –  Maintenance 4.0. Dieses ist im Rahmen der Wien Energie Innovation Challenge in Zusammenarbeit mit dem Startup ViewAR entstanden. Die Datenbrille soll unsere TechnikerInnen in den Kraftwerken dabei unterstützen, alle relevanten Echtzeitdaten einer bestimmten Anlage zur Einschätzung der Situation gleich parat zu haben. Bei Bedarf können aber nicht nur alle relevanten Daten, sondern auch genaue Anleitungen für ihre Tätigkeit oder Fehlerbehebung abgerufen werden. Ein weiterer Vorteil: Sollte doch ein externer ExpertInnen gebraucht werden, muss dieser nicht lange anreisen, sondern kann über die Brille hinzugeschaltet werden. Die Brille wird so auch zum zentralen Management Tool für effektive Wartungsarbeiten.

Wenn man das so liest, überzeugt die Technik schnell und auch die Vorteile liegen auf der Hand. Aber uns hat die Frage interessiert: Wie arbeitet es sich eigentlich mit der Datenbrille? Daher haben wir Andreas Reisinger, einen unserer Techniker im Kraftwerk Simmering getroffen, der die Datenbrille bereits Testweise im Einsatz hat.

Lieber Herr Reisinger, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Es geht auch gleich zur ersten Frage:

Wien Energie: Seit wann sind Sie in das Projekt aktiv eingebunden?

Andreas Reisinger: Ich war von vorn herein im Projekt dabei und war schon in die Innovation Challenge eingebunden, wo wir das Projekt gemeinsam mit ViewAR entwickelt und genau auf unsere Anforderungen zugeschneidert haben. Durch meine tägliche Arbeit im Kraftwerk konnte ich also hier bereits wichtigen Praxisinput liefern.

Wien Energie: Ist das Ihre erste Erfahrung mit Augmented Reality (AR)?

Andreas Reisinger: Ja, das ist meine erste Erfahrung mit AR. Ich habe im privaten Bereich schon von verschiedenen Anwendungen gehört, aber noch nichts selbst getestet und im beruflichen Kontext war es mir auch ganz neu. Doch ich muss sagen, es hat mich gleich fasziniert. Jetzt finde ich es wirklich sehr spannend und freue mich, weiter mitentwickeln zu können.

Wien Energie: Ganz ehrlich: Ist die Brille etwas gewöhnungsbedürftig oder gleich eine Erleichterung?

Andreas Reisinger: (lacht) Ja, anfangs war die Brille natürlich gewöhnungsbedürftig. Zunächst ist es wirklich ein komisches Gefühl, damit herumzugehen. Aber man gewöhnt sich wirklich rasch daran und auch die Bedienung ist sehr leicht verständlich. Die einfache Handhabung hat mich eigentlich auch gleich begeistert. Es ist zwar merkwürdig seinen Arm sozusagen ins Leere zu heben, um etwas auf der Anzeige in der Brille zu bedienen, aber nach ein paar Anwendungen legt sich das auch wieder. Das sieht für die BeobachterInnen wahrscheinlich seltsamer aus, als ich mich dabei fühle :-).

(c)Robert Rubak

Wien Energie: Wo sehen Sie die größten Vorteile im Einsatz der Datenbrille?

Andreas Reisinger: Richtig verwendet kann die Datenbrille auf jeden Fall Arbeitswege verkürzen und Arbeitsprozesse beschleunigen. Das hilft mir natürlich in meiner täglichen Arbeit. Auch das kollaborative Arbeiten, was so einfacher ist, ermöglicht es mir, rasch Fehler zu beheben und leicht auf ExpertInnen zurück zu greifen, ohne dass sie lange Reisewege in Kauf nehmen müssen. Natürlich ist dies für Wien Energie auch eine enorme Kostenersparnis.

Wien Energie: Derzeit wird das Ganze ja noch intensiv getestet. Was passiert, wenn ein Fehler auftritt oder Sie nicht weiter wissen?

Andreas Reisinger: Das Produkt befindet sich noch in der Testphase. Dadurch, dass wir eine der Ersten sind, die diese Datenbrille in Verwendung haben, gibt es natürlich noch Fehler, so wie in jeder Testphase. Allerdings schaffen wir es derzeit sehr gut, diese im Team rasch zu beseitigen, damit die Brille zukünftig fix in den Prozess eingebunden werden kann. Für das schnelle Fixing ist die enge Zusammenarbeit mit dem Startup ViewAR wirklich hilfreich.

Wien Energie: Welche Gefahren sehen Sie generell im Einsatz der Brille?

Andreas Reisinger: Gefahren sehe ich nicht wirklich. Natürlich ist es immer ein Thema, wie rasch eine Neuerung wie diese von den ArbeitnehmerInnen angenommen wird. Eine Umstellung ist es natürlich schon. Der eine ist hier neugieriger als der andere, die Eingewöhnungsphase wird also nicht bei allen gleich lang dauern. Gerade auch Kolleginnen und Kollegen, die eher unerfahren sind im Umgang mit Computern sind, werden hier mit Sicherheit länger brauchen. Aber die einfache Handhabung wird mit Sicherheit helfen, um zu einer raschen Gewöhnung beizutragen. Wenn man erst einmal den Mehrwert erkannt hat und sich ein wenig auskennt, macht es dann auch richtig Spaß.

Wien Energie: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Punkte in der Weiterentwicklung, bis das Ganze großflächig eingesetzt werden kann?

Andreas Reisinger: Wichtig ist in einem nächsten Schritt auf jeden Fall die SAP-Anbindung. Außerdem braucht es meiner Meinung nach ein Softwarekonstrukt, das erlaubt, wie eine Art Bausteinsystem selbst Prozesse hinzuzufügen ohne diese erst von einer Expertin bzw. einem Experten anfordern zu müssen. An diesen Themen sind wir aber bereits daran.

Lieber Herr Reisinger, vielen Dank für das Interview und die Einblicke in die Arbeit mit der Datenbrille. Wenn dich das Thema näher interessiert, ist sicher auch dieser Beitrag für dich spannend. Hier haben wir das Startup ViewAR interviewt, das hinter der Entwicklung steckt.