Fernkälteanlage in der Spittelau

Saubere Kälte: So wird Fernwärme zur Fernkälte

Immer mehr Hitzetage über 30 Grad lassen in Wien den Bedarf nach umweltfreundlicher und platzsparender Gebäude-Klimatisierung steigen. Wien Energie bietet seit 2007 Fernkälte als „grüne Kälte“ an. Diese smarte Technologie nutzt Abwärme zum Antrieb der Kältemaschinen und spart im Vergleich zu herkömmlichen Klimaanlagen rund 50 Prozent Co2 ein.

„Derzeit versorgen wir vor allem Großabnehmer wie Krankenhäuser, öffentliche Gebäude wie die Uni Wien oder Hotels mit Fernkälte. Wir arbeiten aber intensiv daran, diese Technologie in Zukunft auch im Privatkundenbereich anbieten zu können und werden dazu noch in diesem Sommer Projekte präsentieren. Insgesamt investieren wir in den nächsten fünf Jahren rund 65 Millionen Euro in den Fernkälte-Ausbau“, erklärt Wien Energie-Geschäftsführer Michael Strebl.

Grüne Kälte für heiße Tage

Fernwärme wird im Sommer ebenso wie im Winter zur Wärmeversorgung und Warmwasseraufbereitung erzeugt und gleichzeitig zur Herstellung der umweltfreundlichen Fernkälte eingesetzt. Dieselben Energiequellen, die für die Erzeugung von Fernwärme benutzt werden, kann man auch als Antriebsenergie für Kältemaschinen verwenden. Sogenannte „Absorptionskältemaschinen“ nutzen Abwärme aus Industrie, KWK-Anlagen oder Abfallverbrennung, die das ganze Jahr zur Verfügung stehen. Wie bei der Fernwärme, werden die Objekte zentral versorgt (oder auch dezentral, dann wird eine Kältezentrale beim Verbraucher errichtet). Isolierte Rohre transportieren das auf 6 Grad Celsius gekühlte Wasser zum Kunden, mit etwa 16 Grad Celsius fließt es zur neuerlichen Abkühlung wieder zurück.

Smarte Kühlung für Wien

Gegenüber herkömmlichen Klimaanlagen ist vier bis zehnmal weniger Primärenergie nötig, das macht Fernkälte zu einer smarten Kühllösung. Weitere Vorteile der Fernkälte: Im Vergleich zu Klimaanlagen sind Fernkältemaschinen platzsparend, leise und optisch unauffällig. Und, der Kühlprozess findet dank der zentralen Poduktionsanlage von Wien Energie nicht bei jedem Gebäude einzeln statt, damit bleibt auch die Umgebung der NutzerInnen kühl und erwärmt sich nicht.

Besonders groß ist die Nachfrage nach Fernkälte in der Wiener Innenstadt. Wien Energie treibt speziell entlang des Rings den Ausbau des Fernkältenetzes voran und wird auch das Parlament, das derzeit noch umgebaut wird, mit der smarten Kühlung versorgen. (Siehe Grafik)

 

Kühlung einer Fläche von 250 Fußballfeldern

Dank des Fernkältenetzes von Wien Energie behalten bereits heute tausende Wienerinnen und Wiener einen kühlen Kopf. Insgesamt wird eine Fläche so groß wie 250 Fußballfelder in Wien mit Fernkälte gekühlt. Ab 2021 wird die nächste Ausbauphase abgeschlossen sein. Mit der Inbetriebnahme der neuen Versorgungsleitungen leistet Wien Energie auch im Sommer einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener.