Interview zur Mobilität der Zukunft: CO2-frei durch die Stadt

Wieso sich die Funktion des Autos stark ändert, E-Mobilität wirtschaftliche Chancen bietet und warum Wien mit dem Parkpickerl gut dasteht, erklärt Verkehrsexperte Andreas Knie im Interview.


Herr Knie, was muss sich im Sinne des Klimaschutzes bei der Mobilität ändern?
„Wir haben in den 50er und 60er Jahren alles getan, um das Auto zu attraktivieren. Hier müssen wir gegensteuern.“

Das Auto als Statussymbol. Wodurch sollte es ersetzt werden?
„Das Auto hat in der postmaterialistischen Welt seine Funktion als Statussymbol verloren. An seine Stelle sind Dinge getreten wie Kleidung, Reisen oder das Smartphone. Heute kann man mit etwa zwei Dritteln der Menschen vernünftig über das Auto reden – richtige Autofans sind nur noch etwa ein Zehntel der Autofahrer.

Welche Rolle spielt E-Mobilität?
„In den Städten sollten nur noch Elektrofahrzeuge verkehren dürfen. Das geschieht nicht über Nacht, aber innerhalb der nächsten zehn Jahre. Natürlich muss man hierfür die Zahl der Ladestellen erhöhen.“

Und E-Roller?
„Bei E-Rollern herrscht zurzeit ein gewisser Wildwuchs, aber das ist immer so, wenn etwas Neues auf den Markt kommt. Sie müssten stabiler sein und mehr als drei Jahre halten, sonst werden sie für das öffentliche Vermieten nicht zugelassen.“

„Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir das Klima retten oder wollen wir so leben wie bisher?“

Welche Städte können Sie als Vorreiter für eine positive Entwicklung nennen?
„Die niederländischen und skandinavischen Städte wie beispielsweise Amsterdam, Groningen oder Kopenhagen, haben sich schon früh auf das Fahrrad konzentriert. Andere Städte wie Oslo oder Trondheim setzen auf Bemautung.“

Wo steht Wien in puncto klimabewusster Stadt?
„Wien ist mit seiner Parkraumbewirtschaftung auf einem guten Weg, das Parkpickerl „zieht“. Was man allerdings in diesem Zusammenhang nicht vergessen darf, sind die engen Verflechtungen mit den ländlichen Räumen. Hier hat Wien noch einiges aufzuholen. Die öffentlichen Verkehrsanbieter ÖBB und Wiener Linien müssen noch viel enger zusammenarbeiten.“

Was müsste in der Pendlerfrage passieren?
„Zwei Drittel der Pendler könnten am Stadtrand in Coworking Spaces arbeiten und Park-and-ride-Stellplätze benutzen. Wer zu einem Meeting in die Stadt fährt, nimmt dann die öffentlichen Verkehrsmittel.“

Was hieße dies alles für die Wirtschaft?
„Für die wären solche Veränderungen eine Riesenchance! Nur Autos zu bauen und diese zu verkaufen, ist kein Konzept für die Zukunft.“

Wie müssen wir uns umstellen?
„Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir das Klima retten oder wollen wir so leben wie bisher? Um etwa die eigenen Kinder in die Schule zu transportieren, braucht man kein Auto. Wenn alles nur noch mit dem Auto zu machen ist, wird aus der Autolust gewissermaßen eine Autolast.“

 

Portraitfoto von Andreas Knie, Mobilitätsexperte

Andreas Knie, Mobilitätsexperte

Professor Andreas Knie ist Leiter der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik am Wissenschaftszentrum Berlin, Professor für Soziologie an der TU Berlin und Experte für Verkehr und Mobilität. 

Das Interview ist im Magazin ENERGIE! 3/2019 erschienen.

Alles zu E-Mobilität und E-Ladestellen in Wien finden Sie unter www.tanke-wienenergie.at

Foto: David Ausserhofer