Die PodiumsteilnehmerInnen der Diskussion von Wien Energie und der "Presse".

Verkehr gemeinsam CO2-frei machen

Mitte Oktober lud Wien Energie mit der Tageszeitung „Die Presse“ zur Podiumsdiskussion. Zentrales Thema: Welchen Beitrag kann der Sektor Verkehr zur CO2-Reduktion leisten.


Schließlich ist der Straßenverkehr für über 40 Prozent der gesamten Treibhausgase in Städten verantwortlich und es bedarf dringend Lösungsstrategien für eine CO2-freie Mobilität im urbanen Raum. Jakob Zirm, stellvertretender Leiter des Wirtschaftsressorts der „Presse“ begrüßte dazu als Moderator ein sehr gegensätzlich positioniertes Podium, bestehend aus Michael Strebl, Wien Energie-Geschäftsführer, Klaus Gietinger, Soziologie und Buchautor, Henriette Spyra, Chief Scientific Officer im Umweltbundesamt, Bernhard Wiesinger, Leiter der Interessenvertretung & Kommunikation vom ÖAMTC sowie Agnes Pürstinger, Mitorganisatorin von „Fridays for Future“.

Ist der CO2-Ausstoß im Verkehr wirklich so hoch?

Bernhard Wiesinger hielt zu Beginn der Diskussion fest, dass die aktuellen Zahlen über den CO2-Ausstoß vom Sektor Verkehr sehr verzerrt seien. Ein Großteil der Emissionen, die Österreich zugewiesen werden, würden nicht in Österreich ausgestoßen, sondern nur hier getankt werden. Henriette Spyra entgegnete diesem Argument, dass es für das Klima unerheblich sei, auf welcher Seite der Grenze der Kraftstoff verbrennt.

Der Unterschied zwischen Stadt und Land

Einig war sich das Podium bei der Aussage, dass es in der Stadt sehr viele Alternativen zum Auto gäbe, während im ländlichen Raum mittelfristig keine ausreichenden alternativen Mobilitätsformen vorhanden seien. Klaus Gietinger vertrat die Position, dass man sehr wohl auch im ländlichen Raum auf Bahn, Tram und O-Bus setzen kann und sollte. Auf die Hypothese, dass ein Verzicht auf das Auto nicht massive Einschnitte in die Lebensqualität bedeuten würde, konterte Astrid Pürstinger. Genau das Gegenteil würde eintreten. Aus ihrer Sicht bedeuten weniger Autos sauberere Luft, weniger Lärm und mehr Lebensraum für Menschen.

Günstigste Maßnahme zur CO2-Reduktion im Verkehr

Michael Strebl wies darauf hin, dass es nicht möglich sei, mit nur einer Technologie die Klimaziele zu erreichen. Es brauche im Verkehr einen Mix an unterschiedlichen Maßnahmen. Die Elektromobilität biete den Vorteil, dass sie mit Abstand die niedrigsten Kosten pro Tonne CO2 aufweist. Außerdem würdenMaßnahmen, die zur Gänze kostenlos sind (wie beispielsweise Anpassungen im Wohnrecht), massive CO2-Einsparungen erzielen. Klaus Gietinger warf in diesem Zusammenhang ein, dass die CO2-Bilanz der Elektroautos nicht viel besser sei als die von Verbrennern. Dem entgegnete der Geschäftsführer von Wien Energie, dass ein wesentlicher Einflussfaktor darauf der Strommix sei. In Österreich besteht dieser zu 80% aus Erneuerbaren. Bei Ladesäulen von Wien Energie wird sogar ausschließlich erneuerbarer Strom geladen, was die CO2-Bilanz zusätzlich verbessert.

Sind Verbote eine Lösung?

Beim Thema Verbote bemerkte der Interessensvertreter des ÖAMTC, dass ein mögliches Verbot von Verbrennern vor allem ärmere Gesellschaftsschichten trifft. Diese könnten sich keine teuren, alternativ betriebenen Fahrzeuge leisten. Eine Lösung für dieses Problem sah Wiesinger darin, existierende Flotten auf CO2-ärmere synthetische Kraftstoffe umzustellen. Zusätzlich würde ein Gebrauchtwagenmarkt mit alternativ betriebenen PKWs eine große Hebelwirkung haben. Gietinger entgegnete diesem Argument, dass vor allem BeserverdienerInnen die meisten Kilometer im Auto zurücklegen. Eine zusätzliche Besteuerung von fossilen Kraftstoffen treffe somit in erster Linie ebendiese.

Aus Sicht von Michael Strebl werde auch in Zukunft ein starkes Bedürfnis an Mobilität vorhanden sein. Allerdings bliebe abzuwarten, ob dieses Bedürfnis auch ohne den Besitz eines Autos gestillt werden könne. Extremlösungen wären in jedem Fall kontraproduktiv, da diese nur Widerstand verursachen würden. Laut Michael Strebl kann eine Verkehrswende nur gelingen, wenn viele einzelne Puzzlesteine so ressourcenschonend wie möglich zusammengesetzt werden würden. Auch Henriette Spyra vertrat die Meinung, dass man in einer Demokratie alle Meinungen berücksichtigt muss und dass es an der Zeit ist, von der Planung in die Gestaltung zu gehen.