Insel Weigl beim ASCR

Neue Jobs in Klimawandel-Zeiten

Ines Weigl forscht als Teil der ASCR (Aspern Smart City Research) im Stadtentwicklungsgebiet „aspern Seestadt“ an Lösungen für die Energiezukunft im urbanen Raum. Ihr Arbeitsbereiche gehört zu jenen, die erst durch die Herausforderungen in Klimawandel-Zeiten neu entstanden sind.


Wie hat sich Ihre Sichtweise seit Beginn Ihres Studiums verändert?

Über die Jahre ist mein Interesse an Nachhaltigkeit stark gewachsen. Je mehr Einsicht ich bekam, desto dringender wollte ich selbst tätig werden. 2012 habe ich mich dann für das Zusatzstudium „Sustainable Development“ entschieden. Mit der ASCR-Forschung zur ökologischen Energieversorgung von Städten leiste ich heute meinen Beitrag: Weltweit wachsen Städte, ihr Potenzial in der Bekämpfung des Klimawandels wird also entscheidend sein.

Welche Herausforderungen sehen Sie hier in den nächsten 10 Jahren?

Die Zunahme von E-Mobilität und dezentraler Energieerzeugung, etwa mittels Photovoltaik-Anlagen, sind spannende Herausforderungen. Durch die massiv steigende Netzbelastung ist eine sorgsame Verknüpfung und Abstimmung von Ladeinfrastruktur, Speicherkapazität und Energieerzeugung nötig.

Aber auch die immer extremeren Wetterphänomene werden uns herausfordern. Welche sind Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte?

In der aktuellen Forschungsphase befassen wir uns unter anderem mit „Vehicle-to-Grid“ und „Smart Charging“ – dem flexiblen Laden oder Nutzen von Akku-Kapazitäten in E-Autos – je nach aktueller Netzauslastung. Sonne und Wind sind nicht immer verfügbar, wenn wir Strom brauchen. Bei hoher Netzauslastung können Akkus von E-Autos einspringen. Ein weiterer Schwerpunkt ist „Building Information Modeling“ – die Erstellung und Nutzung digitaler Gebäudezwillinge. So können wir digital Schwachstellen erkennen, beheben und ermöglichen vorausschauende Wartung.

Wie tragen Sie mit Ihrer Forschung zur CO2-Reduktion bei?

Die ASCR betrachtet die urbane Energieversorgung ganzheitlich und interdisziplinär. Auch mit Einzelmaßnahmen lässt sich CO2 reduzieren, doch durch die integrierte Betrachtung von Gebäuden, Netz, NutzerInnen sowie der zwischengeschalteten IT können wir Korrelationen und Wechselwirkungen deutlich besser erkennen.

Was würden Sie beruflich tun, wenn es den Klimawandel nicht gäbe?

Die Welt steht vor vielen Herausforderungen! Seit der Industriellen Revolution scheinen wir die Endlichkeit der Ressourcen vergessen zu haben: Wir streben nach stetigem Wachstum, wollen zu jeder Zeit alles haben, wollen frei, flexibel und mobil überall hin – das kostet Energie.

 

Ines Weigl forscht im Rahmen der Aspern Smart City Research (ASCR) an Lösungen für die Energiezukunft und ist als technische Koordinatorin zudem für das Management von über 100 Forscherinnen und Forschern, die Infrastruktur sowie die Durchführung des Forschungsprogramms verantwortlich. 2017 wurde sie vom Gesellschafter Wien Energie in die ASCR berufen, um vor Ort ihre Expertise einzubringen. Zuvor war sie seit 2013 als Projektmanagerin und Interims-Teamleiterin im Bereich „Energiewirtschaftliche Systeme“ Teil der Wien Energie. Ines Weigl schloss ihr Physikstudium an der Uni Wien mit einem Master of Science ab, 2012 folgte das Zusatzstudium „Sustainable Development“ an der University of London.

Insel Weigl beim ASCR