Ausgangsbeschränkung: Wien läuft auf Sparflamme

Nach einer Woche Ausgangsbeschränkung in Wien:

  • 20% weniger Stromverbrauch zeigt auch die Verlaufskurve
  • Wien steht später auf
  • Mittagsspitze klar erkennbar

Die weitreichenden Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben deutliche Auswirkungen auf den Energieverbrauch des Landes. Schon Anfang der Woche wurde in der Hauptstadt deutlich weniger Strom benötigt. Die detaillierte Analyse zeigt neben dem allgemeinen Rückgang aber auch eine zeitliche Verschiebung des Energiebedarfs: Wien steht später auf! Normalerweise verzeichnen wir zwischen 5.00 Uhr Früh und 11.00 Uhr vormittags einen sehr steilen Anstieg des Strombedarfs, da fährt die Stadt hoch. Seit Mittwoch ist diese Kurve deutlich flacher.

Untertags braucht Wien derzeit bis zu 20 Prozent weniger Energie, auf 24-Stunden-Basis liegt der Bedarf rund 10 bis 15 Prozent niedriger. 32.000 Megawattstunden (MWh) wären ein Normalwert bei den Frühlingstemperaturen letzte Woche, seit Dienstag verzeichnet man Werte deutlich unter 28.000 MWh. Die Differenz entspricht dem Jahresverbrauch von 1.600 Haushalten. Zurückzuführen ist diese Veränderung auf den reduzierten bzw. eingestellten Betrieb von Schulen, Geschäfte, Büros, Hotels und insbesondere der Gastronomie. Diese hat üblicherweise einen hohen Stromverbrauch durch Küchengroßgeräte, Lüftung und Kühlung.

Wien läuft auf Sparflamme

Wien läuft auf Sparflamme

Schnitzel, Eiernockerl und Tafelspitz: Deutliche Mittagsspitze erkennbar

Gekocht wird dafür jetzt daheim und auch das zeigt sich beim Energiebedarf: Zwischen 12 und 13 Uhr sehen wir eine deutliche Bedarfsspitze, die sich so üblicherweise nicht zeigt. Wir gehen davon aus, dass Zuhause deutlich mehr gekocht wird bzw. diese Spitze sonst von anderen Verbrauchern überdeckt wird. Auch das Wochenende wird für die Energieversorger spannend, man wird sehen wie sich die beginnende Kältewelle auswirkt. Die Versorgung von Wien ist aber in jedem Fall gesichert!

Den Verbrauchsspitz am Nachmittag bzw. in den frühen Abendstunden (18.15 Uhr) gibt es nur in den kalten und finsteren Monaten. Der Verbrauch steigt wenn die Menschen nach der Arbeit nach Hause kommen und die Wohnung beleuchten, kochen, fernsehen, waschen usw. In den Sommermonaten verschwindet dieser Spitz komplett da sich die Menschen anders verhalten und durch die geänderten Licht und Temperaturverhältnisse generell der Bedarf zu dieser Uhrzeit geringer ausfällt.

Wie man am Verlauf gut sieht, unterscheidet sich die Kurve in der ersten Nacht noch nicht so deutlich wie in den Folgenächten: Es wurde also noch mehr gearbeitet, Bars, Nachtbeleuchtung in Geschäften waren noch aktiv und auch Kühlungen in Restaurants oä sind gelaufen. Dazu kommt, dass doch ab Mittwoch viele Leute Wien verlassen haben.

Stromverbrauch im Privathaushalt steigt um ein Drittel

Im Gegensatz zum Gesamtverbrauch der Stadt steigt der Energieverbrauch im einzelnen Haushalt. Durch Home Office, Unterhaltungselektronik und Küche kann sich der Stromverbrauch zuhause um bis zu einem Drittel pro Tag erhöhen. Die Energieberater von Wien Energie empfehlen, schaltbare Steckerleisten zu verwenden, um das Home Office mit einem Griff bequem in den Ruhemodus versetzen zu können. Und statt der Gaming-Konsole könnte doch einmal wieder das bewährte Brettspiel aus dem Kasten geräumt werden.