Energiegemeinschaft im Grätzl

Die Coronakrise darf nicht als Ausrede genutzt werden, um wichtige Investitionen und Innovationen im Klimaschutz aufzugeben. Deshalb investiert Wien Energie alleine in diesem Jahr 200 Millionen Euro in den Klimaschutz. Im Viertel Zwei in Wien Leopoldstadt errichtet Wien Energie zudem mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eine der ersten Energiegemeinschaften Europas.


Im Viertel Zwei am Rande des Grünen Praters wohnen viele Menschen, die ihr Umfeld aktiv mitgestalten und nachhaltig leben wollen. Für Wien Energie ist das Areal das ideale Pflaster, um die erste Energiegemeinschaft zu testen und innovative Konzepte für Energie, Mobilität und Smart Living zu entwickeln. Das mehrjährige Pilot-Forschungsprojekt am modernen Wohn- und Bürostandort läuft seit 2018.

Was konkret kann man sich unter der Energiegemeinschaft im Viertel Zwei vorstellen?

Wien Energie vernetzt im Viertel Zwei gerade rund 100 Bewohnerinnen und Bewohner. Eine Photovoltaikanlage erzeugt für das Viertel Strom. Dieser kann von den BewohnerInnen genutzt – oder aber die nicht verbrauchte Kilowattstunde im Quartierspeicher gespeichert oder an den Nachbarn verkauft werden. So verfällt der wertvolle Ökostrom nicht. Wien Energie will damit Strom effizienter einsetzen und ist überzeugt, dass solche Energienetzwerke oder BürgerInnen-Energiegemeinschaften einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende leisten werden. Und die ganze Stadt profitiert von weniger CO2.

Strom handeln, wenn er vorhanden ist aber nicht benötigt wird.

Der lokal erzeugte Strom wird je nach Bedarf unter den BewohnerInnen aufgeteilt. Wenn keiner den Strom nutzt, wird er weiterverkauft oder anderweitig verwendet. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Blockchain-Technologie: Diese erlaubt, unterschiedliche Transaktionen direkt und unter strengem Datenschutz abzuwickeln, ohne Zwischenhändler, Banken oder Behörden einzuschalten. Damit ist Blockchain für den Stromhandel bestens geeignet: Im Viertel Zwei könnten beispielweise Elektro- Tankstellen den Strom über automatisierte Verträge je nach Marktlage von Solaranlagen im eigenen Grätzl oder auch vom Energiegroßhandel beziehen. Oder die BewohnerInnen handeln untereinander mit ihrem selbst erzeugten Strom. Über ein Energiemanagement kann das künftig vollautomatisch ablaufen. Die TeilnehmerInnen legen selbst die Kriterien fest, nach welchen der Strom gehandelt wird.

Klimaschutz mit Energiegemeinschaften

Wir sind Teil eines vernetzten Ökosystems. Als Energieanbieter hat Wien Energie, wie in der Natur der Wald, eine Schlüsselfunktion. Nur so kann das Ganze nachhaltig funktionieren und zur Lebensqualität beitragen. Die Umwelt verändert sich, wir tun das auch. Waren die Kraftwerke früher zentral geführt, erzeugt Wien Energie heute auch gemeinsam mit den KundInnen Energie, etwa mit Solaranlagen auf Hausdächern. Mit der Urban Pioneers Community geht das Unternehmen einen Schritt in die Zukunft und beweist, dass man auch in einer Großstadt das Thema erneuerbare Energie einbinden kann.

Wie geht es in Zukunft weiter?

In regelmäßigen Workshops mit den Community Mitgliedern und ergänzenden Maßnahmen werden die eingesetzten Technologien beurteilt und gemeinsam an neuen innovativen Konzepten gearbeitet. So haben die Bewohnerinnen und Bewohner des Viertel Zwei die Möglichkeit, innovative Wien Energie Tarife auszuprobieren. Durch ihr Feedback bestimmen sie mit, welche Optionen später flächendeckend am Markt ausgerollt werden. Ziel ist es, neue Lösungen zu entwickeln, die die Weichen für die Energieversorgung der Zukunft stellen.

 

Die Energiegemeinschaft im Überblick

Infografik Energielehrpfad Lehrpfad Viertel Zwei Energycommunity Energiegemeinschaft (c) Wien Energie / APA-Auftragsgrafik

1. Energiegemeinschaft

Der wichtigste Teil des innovativen Projekts ist die Urban Pioneers Community, also eine Gemeinschaft der BewohnerInnen hier vor Ort. Alle, die sich an der Energiegemeinschaft beteiligen, nutzen Strom der eigenen Photovoltaik-Anlagen von den Dächern des Viertels. Ist Strom übrig oder sind die BewohnerInnen über längere Zeit außer Haus, können sie den überschüssigen Sonnenstrom entweder im Quartierspeicher zwischenspeichern und später nutzen, oder ihn innerhalb der Gemeinschaft teilen. Das funktioniert mithilfe neuer Technologien wie Blockchain, also über eine digitale Plattform.

2. Photovoltaik

Damit Strom verbraucht und gehandelt werden kann, muss er zuerst produziert werden. Auf den Dächern im VIERTEL ZWEI sind daher Photovoltaik-Module angebracht. Der lokale Sonnenstrom soll in Zukunft zwei Drittel des Jahresstromverbrauchs der BewohnerInnen decken.

3. Quartierspeicher

Wenn der vor Ort produzierte Sonnenstrom nicht benötigt wird und ein Überschuss besteht, kann dieser lokal gehandelt –  oder aber im Quartierspeicher gespeichert werden. Mit dieser gespeicherten Energie können Zeiten überbrückt werden, in denen die Photovoltaikanlage keinen Strom produziert. Also zum Beispiel am Abend oder in der Nacht. So wird noch mehr Sonnenstrom vor Ort genutzt und muss nicht ins allgemeine Netz eingespeist werden.

4. E-Ladestation

Zukünftig könnte die Energiegemeinschaft auch eine weitere Möglichkeit haben, ihren nicht benötigten Sonnenstrom sinnvoll einzusetzen: Er kann für die E-Ladestellen in den Tiefgaragen freigegeben werden. So können E-Autos geladen werden und die wertvolle Energie geht nicht verloren.